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Die Chancen zur individuellen Lebensführung

In Frieden mit sich, mit seinem Leben, seiner Familie, seinen Mitmenschen, sprich: mit seinem Dasein hier auf Erden. Wer wünscht sich dies nicht. Ein Zustand, der womöglich unerreichbar ist? Es ist sicherlich ein vielleicht langer und möglicherweise auch dornenreicher Weg, doch wir sind Menschen und leben, um auch zu lernen. Auch wenn dieser Zustand nicht vollends erreicht werden kann, so können wir wenigstens versuchen, uns diesem Ziel zu nähern. Ohne unser Zutun wird wohl kaum etwas geschehen, und jeder Schritt ist ein Schritt näher zur inneren Freiheit. Innere Freiheit bedeutet nicht das Fehlen von Konflikten und Problemen, sondern der Umgang damit. Versuchen Sie es einmal mit einem anderen Denken und Handeln in Ihrem Alltag, sei es in der Familie, mit dem Partner oder im Freundes- und Kollegenkreis. Sie werden mit Erstaunen und Freude feststellen, wie viel Sie selber dazu beitragen können, Ihr inneres Gleichgewicht zu erlangen und dann auch zu halten.

Wie soll das gehen? Spielen Sie Detektiv in eigener Sache. Versuchen Sie, sich im Gespräch mit Ihren Mitmenschen zurückzunehmen. Hören Sie genau hin, erstens, was Ihr Gegenüber zu Ihnen spricht und wie er zu Ihnen spricht. Mit etwas Übung wird es Ihnen leicht gelingen, auch das Ungesagte zu hören. Je mehr Sie sich dieses zu eigen machen, desto mehr Feinfühligkeit werden Sie entwickeln. Sicher werden die einen oder anderen Emotionen in Ihnen hochkommen, Wut oder Trauer. Überlegen Sie, warum dieses Gefühl in Ihnen hochgekommen ist; woher Sie es kennen und wo in Ihrem Körper Sie es spüren. Horchen Sie genau in sich hinein. Es ist wie eine Befragung Ihrer selbst. Je öfter Sie sich dieser Handlungsweise bedienen, desto eher geht sie in Fleisch und Blut über, bis die Angriffs- und Verletzungsfläche kleiner und kleiner wird. Die Gewohnheit wird Ihnen helfen die Dinge anzugehen, wovor Sie vorher Angst oder Bedenken hatten.  Auch Ihr Gegenüber redet und handelt aus einem bestimmten Parameter heraus. Fragen Sie nach. Mit einer gezielten Fragestellung nehmen Sie dem anderen den Wind aus den Segeln, und er hat seine Chance, sich zu deklarieren durch ein Angenommen werden und ein Angenommen sein. Somit ist eine gesunde Basis für ein besseres Verständnis geschaffen.

Fragen Sie sich einmal: bin ich wirklich selbstsüchtig, wenn ich meine Bedürfnisse berücksichtige? Habe ich nicht das Recht, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten ohne hinterher deprimiert zu sein? Sie haben das Recht, Grenzen zu setzen, denn es ist Ihr Leben. Sie springen keinem ins Grab hinterher, und es wird auch keiner in Ihr Grab hinterherspringen. Mit einer Begründung und Erklärung, warum Sie so und nicht anders handeln und reden, warum Sie dieses und nicht jenes möchten, geben Sie dem anderen die Möglichkeit, es zu verstehen und anzunehmen. Gelingt es diesem nicht, so liegt es an ihm, den Sie teilten ihm Ihre Beweggründe mit.

Autorin: Renate Lipfert-Schwingenheuer

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