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Die Finger und Handdiagnose |
In der Naturheilkunde werden viele unterschiedliche Methoden genutzt, um Krankheiten der Patienten zu erkennen. Gemeinsam ist diesen Verfahren der Grundsatz, dass sich bestimmte Erkrankungen auch in anderen Regionen des Körpers widerspiegeln. So erzählen bereits die Hände eines Patienten eine Menge über seine Krankheitsgeschichte.
Innere Krankheiten machen sich oft durch äußere Kennzeichen bemerkbar. Diese Erkenntnis dürfte so alt sein wie die Heilkunde selbst. Denn es ist offensichtlich, dass Veranlagungen, Leiden und Erkrankungen einhergehen mit Zeichen und Veränderungen auch in anderen Körperregionen. So entstanden im Laufe der Menschheitsgeschichte verschiedene Diagnoseverfahren, die durch alle Zeiten von den Heilkundigen bewahrt und gerade in den letzten Jahrzehnten verfeinert wurden.
Diese Diagnoseverfahren spielen für den Heilpraktiker eine große Rolle bei der Beurteilung des Gesamtzustandes ihrer Patienten sowie bei der Diagnose von bestimmten Erkrankungen. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass diese Veränderungen zunächst nur Hinweise geben, also nie die alleinige Diagnose darstellen, sondern durch andere Verfahren der Verdacht auf bestimmte Krankheiten ergänzt werden muss.
Auge, Fuß, Zunge und Puls
Besonders bekannt ist die medizinische Beobachtung des Auges, die sogenannte Irisdiagnose. Sie geht in älteste Zeiten zurück. Schon Hippokrates berichtete darüber. Die moderne Form der Irisdiagnose geht auf den Arzt Ignatz von Peczely zurück, der vor gut 100 Jahren feststellte, dass sich bestimmte Krankheitsbilder durch besondere Merkmale in der Iris (Regenbogenhaut) abzeichnen und die Stellen, an denen diese Merkmale auftauchen, Rückschlüsse auf die befallenen Organe zulassen.
Eine weitere Diagnosemöglichkeit ist die Untersuchung des Fußes. Durch die Fußreflexzonenmassage ist vielen von Ihnen sicher bekannt, dass der gesamte Körper auch im Fuß abgebildet ist. Veränderungen und Schmerz auf der Fußsohle lassen diagnostische Schlüsse zu. Die Behandlung dieser Stellen wirkt unmittelbar auf das jeweilige Organ, Auch die Zunge und ihre Veränderungen geben dem Heilkundigen Hinweise auf mögliche Erkrankungen. Ebenso gibt die Pulsdiagnose dem Therapeuten Auskunft über erkrankte Organe und die zugehörigen Akupunktur Meridiane. Ähnliches gilt für die Antlitzdiagnose und die Ohrdiagnose. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Diagnoseverfahren. Immer wieder sehen wir, dass der Zustand des gesamten Körpers und Organismus sich widerspiegelt in allen seinen Teilen, und ich bin überzeugt, sogar in jeder einzelnen Zelle.
Sehr aufschlussreich sind für den Heilpraktiker die Hände: Die HandDiagnose beginnt im Grunde bei der Begrüßung des Patienten. Ein weicher Händedruck beispielsweise sagt etwas ganz anderes über eine Person aus als eine kräftige, herzhafte Begrüßung. Eine feuchte Hand lässt auf Nervosität, Schwäche des vegetativen Nervensystems (regelt Körperfunktionen wie Atmung, Verdauung und Herztätigkeit) und eventuell Schilddrüsenüberfunktion schließen. Eine trockene Hand deutet eventuell auf Unterfunktion der Schilddrüse hin.
Verfärbungen der Hände
In ähnlicher Weise geben kalte oder sehr heiße Hände dem Therapeuten wichtige Informationen. Bei der Betrachtung der Hand führen uns Verfärbungen zu möglichen körperlichen Belastungen. Bräunlich gefleckte (pigmentierte) Handrücken finden wir meist bei älteren Leuten. Diese können ein Hinweis auf Darmbelastungen sein, unter Umständen auch auf Belastungen der Bauchspeicheldrüse (Diabetes 1 oder II) und/oder Belastungen der Leber. Blauverfärbungen der Finger sind ein Hinweis auf Durchblutungsstörungen, blaurote Verfärbungen auf venöse Stauungen.
Eine Rötung der Handinnenfläche (sogenanntes Palmar-Erythem) erscheint besonders bei Lebererkrankungen (chronische Hepatitis, Leberzirrhose), eventuell aber auch während der Schwangerschaft. Unterscheiden müssen wir diese Rötung von der Färbung bei Aufregung, wo sich eine mehr gitterartige Rötung der Handinnenfläche zeigt. Sehr bleiche Hände weisen eventuell auf Anämie hin. Größe und Form der Hände und auch der Finger, ausgeprägte Verhornung, Warzen und Schwellungen (Hinweis möglicherweise auf Herzinsuffizienz) geben uns wichtige diagnostische Hinweise.
Bei der Betrachtung der Nägel geben uns gut sichtbare Nagelmonde Hinweise auf Lebenskraft und gute Blutzirkulation. Sehr große Monde lassen auf starke Herzkraft und eventuelle Veranlagung zum Herzschlag schließen. Insbesondere wenn dies beim Mittelfinger der Fall ist. Sehr kleine oder gar unsichtbare Monde weisen auf Herz- und Kreislaufschwäche hin.
Die einzelnen Finger lassen sich bestimmten Organen und Körperregionen zuordnen. Der Zeigefinger ist dem Kopf zugeordnet, der Ringfinger gehört zu Niere und Lunge. Der Mittelfinger gibt Auskunft über den Magen- und Darmtrakt, und der kleine Finger ist den Geschlechtsorganen zugeordnet.
Nägel mit Flecken und Rillen
In den Nägeln auftretende weiße Flecken oder Tüpfelchen sind möglicherweise ein Hinweis auf Stoffwechselstörungen, insbesondere im Zusammenhang mit Kalzium, Eisen und Silizium. Die weißen Flecken werden verursacht durch Lufteintritt in die Nagelsubstanz. Liegen diese weißen Flecken ständig vor, ist dies ein Hinweis auf Leber- und Nierenerkrankungen, eventuell auf eine Arsenvergiftung sowie bei Frauen ein Hinweis auf starke Hormonschwankungen. Ausgeprägt dicke Nägel können ein Hinweis auf Kreislaufschwäche darstellen, eventuell auch auf Herzschädigung. Punktförmige Vertiefungen im Nagel finden wir bei Rheuma oder Psoriasis (Schuppenflechte). Ausgeprägte Längslinien der Nägel finden sich insbesondere bei Mangelerscheinungen, Stoffwechselstörungen und Störungen im Magen- Darmtrakt. Auch querlaufende Grabenbildungen der Nägel weisen zum Beispiel auf Magen-Darm-Störungen, aber auch auf Gifte von außen oder von innen, Übersäuerung und ähnliches hin.
Lagert sich an den Fingerkuppen vermehrt Fettgewebe an, so sprechen wir von Trommelschlegelfingern, die fast immer mit Uhrglasnägeln kombiniert sind, bei denen sich der Nagel wie ein Uhrglas wölbt. Diese zeigen sich sehr häufig bei Erkrankungen von Lunge und Herz, eventuell auch bei Erkrankungen der Schilddrüse.
So findet also der Heilpraktiker schon bei der Begrüßung seiner Patienten und bei der Betrachtung der Hand, der Finger und der Nägel wertvolle Hinweise auf die Diagnose. Diese ergänzt er durch andere Verfahren, von denen ich im Verlauf der nächsten Monate einige weitere vorstellen werde.
Wer sich für dieses Thema interessiert, findet mehr darüber in dem Buch „Äußere Kennzeichen innerer Erkrankungen“ von H. D. Bach, erschienen bei Werner Erwig, Druck und Verlag in Münster
(ISBN
3-924673-03-9).
©
2001 by Jörg Pantel
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