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Die Urinttherapie



Igitt, Urin!?

Der ganz besondere Saft, den jeder ausscheidet, findet in den Medien seit einiger Zeit großes Interesse: Als Heilmittel gegen vielerlei Beschwerden. Doch diese Entdeckung ist nicht neu. Urin wird schon seit Menschengedenken zur Behandlung von Krankheiten verwendet.

Viele von Ihnen werden sich bestimmt noch an eine „Hallo Ü-Wagen-Sendung“ mit Carmen Thomas vor einigen Jahren erinnern. Das Thema lautete: Urin ein ganz besonderer Saft. Dieser Sendung nebst des sich daran anschließenden Buches gleichen Titels folgten viele Diskussionen. Auf der einen Seite fanden sich die Befürworter dieser Behandlungsart. Auf der anderen Seite standen erstaunlicherweise weniger die Skeptiker. Vielmehr waren es Personen, die die Anwendung ihrer eigenen Ausscheidung aus einem tiefverwurzelten Ekel heraus grundsätzlich ablehnten.

Die Menschen behandeln sich seit Tausenden von Jahren mit ihrem eigenen Urin. Die Behandlungsmethode wird schon im Alten Testament erwähnt, ebenso von allen griechischen und römischen Ärzten. Sie ist aber letztendlich wohl in den meisten Kulturen zu finden. Wie andere Therapien, so entstand auch die Urinbehandlung zu Zeten, als der Mensch zu Heilungszwecken auf all das zurückgriff, was natürlicherweise vorhanden war. Denken wir beispielsweise an die Behandlung mit Licht, mit Farben, mit Wasser, Luft und (Heil-) Erde. Und sind es nicht gerade diese „primitiven“ Methoden, die in den letzten Jahren vermehrt Zuspruch fanden und nun — endlich sogar den Segen der Wissenschaft erteilt bekommen haben?

Ekel vor dem Unreinen

Die Eigenharn- Therapie wurde immer wieder wegen ihrer „Unreinheit“ verschmäht und führte über die Jahrhunderte im Verborgenen ein Schattendasein. Erst seit wenigen Jahren wird sie in breiteren Kreisen der Bevölkerung bekannt. Für die meisten Menschen steht der Ekel als scheinbar unüber­windbares Hindernis dieser Behandlungsmethode im Wege. Haben wir doch von klein auf gelernt, dass das Pinkeln etwas Anrüchiges darstellt. Wir verrichten es nicht in der Öffentlichkeit und waschen uns anschließend die Hände, um wieder „rein“ zu sein. Als kleine Kinder hatten wir zunächst keine Bedenken, mit unseren Ausscheidungen herumzuspielen. Uns wurde nicht eklig. Der Ekel kam erst mit unserer Erziehung.

Und nun wird geraten, sich diesen „unreinen“ Urin zu Heilungszwecken zu zu führen. Dazu kann gesagt werden, dass Urin von gesunden Menschen keimfrei ist. In Notzeiten wurden damit Wunden und sogar Spritzen desinfiziert. Harnbestandteile werden zu Medikamenten verarbeitet. Tiere trinken instinktiv ihren Urin im Krankheitsfall, und Pflanzen gedeihen gar besser auf Gelände, das mit unseren Ausscheidungen gedüngt wurde.

Trinkkur über Wochen

Zumindest das Trinken des eigenen Urins stellt doch eine ziemliche Hürde für die meisten Menschen dar und kostet eine große Überwindung. Geschmacklich lässt sich der Urin durch verschiedene Kräuterzusätze veredeln. Hilfreich ist auch anfangs die Verdünnung mit Wasser oder die Verwendung von ‚.dünnem“ Urin nach vermehrtem Trinken, bevor man sich dem Morgen - Urin zuwendet, dem die stärksten Heilkräfte zugeschrieben werden.

Das Trinken des Eigenurins stellt eine grundsätzliche Therapie dar, die bei den meisten Erkrankungen eingesetzt werden kann. Eine Ausnahme sind Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane. Problematisch ist die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten. Das Trinken muss kurmäßig, das heißt mindestens drei bis vier Wochen, erfolgen, um bleibende Verbesserungen zu bewirken.

Gurgeln und Mundspülungen werden unter anderem bei Hals- und Zahnfleischentzündungen angewandt Im Krieg war das Gurgeln mit Eigenurin oftmals das einzige Mittel bei Diphterie Und es war häufig vom Erfolg gekrönt.

Urin: Die beste Kosmetik

Weniger Schwierigkeiten haben viele Menschen mit der äußerlichen Anwendung von Urin in Form von Einreibungen. Es kommt höchstens die Sorge auf, daß andere die Urin - Behandlung riechen könnten.

Wir unterscheiden Ganzkörper­ Einreibungen (Basisbehandlung) und Teileinreibungen im Bereich von Krankheitssymptomen. Eigenurin gilt als das beste Kosmetikum, erfrischt die Haut, macht sie glatt und beseitigt Hautunreinheiten. Dem Haar wird Glanz und Geschmeidigkeit gegeben. Ebenso verschwinden Schuppen. Ich habe gute Erfolge gesehen beim Einsatz gegen Warzen und Hautpilze (insbesondere Fußpilz), bei Ekzemen, Wundheit, ja sogar bei äußeren Hämörrhoiden und offenen Beinen. Eigenurin wird auch noch bei anderen Erkrankungen im Bereich der Haut eingesetzt. Zur äußerlichen Anwendung zählen auch Umschläge und Kompressen sowie Spülung von Augen und Nase.

Weitere Einsatzfelder

Die Injektion von Eigenurin bleibt dazu befugten Therapeuten vorbehalten. Sie wird angewendet, um den Körper allgemein zu stärken (Basistherapie). Vor der Injektion muss der Urin sterilisiert werden, wodurch er verändert wird.

Recht verbreitet ist die Eigenurin -­ Nosode. Der Begriff Nosode kommt aus der Homöopathie. So bezeichnet man homöopathische Mittel aus Krankheitserregern und Körperstoffen. Der homöopathisch aufbereitete Urin hat eine sehr sanfte, aber nachhaltige Wirkung und wird insbesondere zur generellen Stärkung der Lebenskräfte sowie zur Entgiftung eingesetzt.

Über ein Klistier lässt sich Urin in den Darm einbringen. Diese Methode hat sich speziell bei Erkrankungen der Verdauungsorgane bewährt, unterstützend bei Allergien und ausgleichend bei Hormonstörungen.

Buchtipps

Die Eigenharnbehandlung von Johann Abele und Kurt Herz, Haug-Verlag.
Ein ganz besonderer Saft Urin von Carmen Thomas, VGS Verlagsgesellschaft Köln.
Die Apotheke in uns von U.E. Hasler, Haug-Verlag.
Lebenssaft Urin von Hans Höting, Goldmann – Verlag.

© 2001 by Jörg Pantel


Jörg Pantel
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