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R E I N K A R N A T I O N und H Y P N O S E

Referate und kritische Auseinandersetzung mit dem Thema: Wiedergeburt, Reinkarnation und Carma

Die Wiedergeburtslehre gehörte zum urchristlichen Gedankengut, auch wenn sie von der Kirche aus dem abendländlichen Denken getilgt wurde.

Das Wissen um die Reinkarnation ist nicht nur in den östlichen Religionen, z.B. im Hinduismus und Buddhismus verbreitet, sondern auch viele große Dichter und Denker des Abendlandes in der Antike und der Neuzeit. Von der Möglichkeit wiederholter Erdenleben waren unter anderen  berzeugt Empedokles, Pythagoras, Plato und Vergil, weiter Goethe, Hölderlin, Schiller, Schleiermacher, Fichte, Kant, Schopenhauer, Nietzsche, Kierkegaard und Voltaire.

Ein anderer bekannter Name ist Thorwald Dethlefsen, der seine Patienten mit Hilfe von Hypnose in fühere Leben zurückführte und damit tief in der Seele wurzelnde Erinnerungen zutage bringt. Auf diese Weise therapiert er psychosomatische Belastungen im gegenwärtigen Leben.

Trotz oder vielmehr gerade wegen dieser Forschungsergebnisse und der weiten Verbreitung des Wissens um die Reinkarnation gibt es keine einheitliche Lehre, sondern viele verschiede Ansichten- die sich natürlich auch überschneiden und zum Teil decken -, wenn es um den konkreten Inhalt und die Anwendung dieses Wissens geht. So ist z.B. der Begriff "Reinkarnation" nicht ohne weiteres mit dem der "Seelenwanderung" gleichzusetzen; das östliche Verständnis weicht vom westlichen am - je nachdem, welches Gottesbild zugrunde liegt.

Im Unterschied zur Auffassung der katholischen und evangelischen Lehrmeinung sind wir davon überzeugt, daß es auch eine christliche Sichtweise der Reinkarnationslehre gibt; mehr noch, daß das Wissen um die Wiederverkörperung der Seele urchristliches Gedankengut und ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens ist.

"Das Wissen um die Wiedergeburt gehörte im Urchristentum und in den ersten Jahrhunderten des Christentums zum festen christlichen Gedankengut. Auch Jesus von Nazareth lehrte die Wiedergeburt, und viele Kirchenlehrer sahen die Wiedergeburt als etwas Selbstverständliches an", schreibt Dienstknecht.

Er wertete griechische und lateinische Bibeltexte, Konzilsdokumente und Werke von frühen Kirchenvätern kritisch aus und kam zu dem Ergebnis, daß die Wiedergeburt urchristliche Lehre sei. Hinweise in der Bibel sind etwa in Mt 16, 14 (vgl. auch Lk 9, 19) zu finden, wo Jesus die Frage stellt, für wen Ihn die Menschen hielten. Darauf antworteten Ihm Seine Jünger, daß die einen Ihn für Johannes den Täufer, andere für Elia, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten hielten. Ein anderes Beispiel: Jesus sprach von der Wiederkunft des Elia und meinte damit Johannes den Täufer (Mt 17, 10-13; vgl. auch Lk 9, 8 u.a.)

Der Kirchenlehrer Rufinus versichte in einem Brief an Anastasius, daß der Glaube an wiederholte Lebensläufe Allgemeingut der Kirchenväter gewesen und seit jeher als alte Tradition überliefert worden sei. Origenes (ca. 185 - 254), der als einer der größten griechischen Kirchenväter gilt, lehrte die Reinkarnation mit großer Überzeugung; ihm standen noch die ursprünglichen Handschriften der Bibel in griechischer und hebräischer Sprache zur Verfügung.

Die Lehre von der Wiedergeburt war also Bestandteil des Christentums in den ersten Jahrhunderten. Um so erstaunlicher ist es, daß dieses Wissen von den abendländischen Kirchen nicht gelehrt wurde und wird.

Aus vielfältigen,  zum Teil politischen und menschlichen Gründen, entbrannten zahlreiche theologische Streitigheiten um die Lehre des Origenes. Weil Origenes als überragende Gestalt der früheren Kirche überall anerkannt wurde - er galt als die Autorität, und Gegner und Befürworter beriefen sich auf ihn -, verknüpfte man das Wissen um die Reinkarnation immer mehr mit seinem Namen. Der Streit um Origenes wurde im Verlauf der darauffolgenden Jahrhunderte immer heftiger und forderte eine endgültige Entscheidung. So kam es zu jenem folgenschweren Ereignis, welches die Verdrängung und Beseitigung der Reinkarnationslehre zur Folge hatte: Auf der Synode der Ostkirche im Jahre 543 in Konstantinopel wurde die Lehre des Origenes mit neun Anathemata (Bannflüchen) verworfen.

Darunter befinden sich auch zwei Verfluchungen, welche die Wiedergeburtslehre indirekt verurteilen: Es wird erstens die Präexistenz der Seele verleugnet und in diesem Zusammenhang, daß die Seelen der Menschen ürsprünglich als reine Wesen im Himmel existierten, dann aber von Gott abfielen und sich in menschliche Körper einverleibten. Zweitens werden all jene verflucht, die nicht glauben, daß es eine ewige Bestrafung der Dämonen und gottlosen Menschen gibt und eine Bestrafung all jener, die an eine Wiedereinbringung, an eine Rückkehr zu Gott (Apokatastasis), glauben. Die Formulierung dieser Bannflüche geschah auf Anweisung von Kaiser Justinian I., der sich als Oberherr der Kirche verstand. Die von ihm vorgegebenen Bannflüche bestätigte die Synode von 543, und zehn Jahre später unterschrieb Papst Vigilius die Ihm vorgelegten Verfluchungen beim Konzil von Konstantinopel - obwohl, laut Konzilsberichten, darüber überhaupt nicht verhandelt worden war.

Die Persönlichkeit des Kaisers Justinian, die allgemeine Kriegssituation im Oströmischen Reich und dazu die drohende Gefahr, in Palästina noch einer zusätzlichen, innenpolitischen- religiösen Front gegenüberzustehen, bildeten das politische Motiv für die Beseitigung der Reinkarnationslehre.

Um die durch die Verdammung der Wiedergeburtslehre entstandene Lücke zu schließen und um die Lehre von der Einmaligkeit des Menschenlebens zu untermauern, mußte man neue Glaubenssätze (Dogmen) schaffen. Diese betrafen vor allem die Erbsünde, die Todsünde, das Jüngste Gericht, das Fegefeuer und die ewige Verdammnis.

Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung und hoffe, daß Sie bei der heutigen Diskusion etwas Spaß hatten und eiges  mitnehmen konnten.

Autor: Rainer Schulte

 

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